Winety.com
: Welche wesentlichen weinbautechnischen Veränderungen hat es seitdem gegeben? Worauf kommt es heute an, wenn man Spitzenriesling an der Ruwer erzeugen möchte?

Von Schubert: Ob weinbautechnische Veränderungen die Qualitäten so nachhaltig beeinflusst haben, halte ich für fraglich.
 
  Vor 100 Jahren gab es ein genügendes Arbeitskräftepotential, sodass viele Weinbauarbeiten (Laubarbeiten, Bodenpflege etc.) termingerecht durchgeführt werden konnten.

Beim heutigen Arbeitskräftebesatz ist dies schwierig und kann nur durch mechanische Lösungen verbessert we
rden.
Bis zu einem Gefälle von 60% Hangneigung hat der Direktzug in den meisten Grünhäuser Lagen Einzug gehalten. Durch moderne Mulchverfahren konnte eine natürliche Begrünung aufgebaut werden, die ein besseres Gleichgewicht in die Monokultur Rebe bringt. Ein genauerer und abgestimmterer Pflanzenschutz ermöglicht die Gewinnung von möglichst gesundem Traubengut für die Erzeugung von besten Weinen im Herbst.

Schon vor 100 Jahren war die sehr selektive Traubenlese bei uns Standard, doch haben sich die Verfahren verfeinert - der Aufwand an Handarbeit ist hiermit eher gestiegen, denn gesunken.
 
 
Um Spitzenriesling an der Ruwer zu erzeugen, ist zunächst mal ein sehr moderater Ertrag nötig. In den 90er Jahren sind unsere Durchschnittserträge um 10 bis 20 Prozent gesunken, was sich natürlich auf die Qualität sehr positiv ausgewirkt hat. Im Weinberg wie im Keller ist die Maxime: Soviel Eingriff und Behandlung wie nötig, sowenig wie möglich.

Wir streben ein möglichst ununterbrochenes Wachstum der Reben an, mit dem Ziel, eine vollendete Frucht zu erlangen. 100 Prozent der Qualität eines Weines ist in der Traube geborgen, die nach sorgfältigem Anbau nach der Ernte durch das Kellertor gefahren wird. Ein noch so guter Kellerwirt kann nichts hinzufügen, sondern muss bestrebt sein, diese Qualität weitgehend zu bewahren - bis zur Flaschenfüllung.
 
         
  Vorherige Seite
I   Wir über uns  I      Anzeigen schalten   I   Sitemap   I