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Winety-Interview

...mit: Wilhelm Weil, Weingut Robert Weil, Kiedrich, Rheingau
Im Jahre 1868 erwarb Dr. Robert Weil einen kleinen Weinbergsanteil in Kiedrich und ließ sich wenige Jahre später dort nieder, um den Besitz auszudehnen und ein Weingut zu gründen. Sein Erfolg gründete auf Visionen und unternehmerischem Wagemut.

Diese Eigenschaften besitzt auch sein Urenkel Wilhelm Weil, der heute das altrenommierte Gut in vierter Generation leitet. In den neunziger Jahren katapultierte er das Unternehmen in die Spitzenliga deutscher Weingüter. Die Liste von Auszeichnungen für das Weingut Robert Weil ist lang.
Einige Auszeichnungen:

·1993 platzierte die Welt am Sonntag die 1992er Kiedricher Gräfenberg Riesling Trockenbeerenauslese auf Rang 1 von fast 5.000 Weinen aus aller Welt.
·Der Gault Millau WeinGuide erklärt das Weingut Robert Weil zum "Aufsteiger des Jahres" 1994.
·Hugh Johnson bezeichnet das Weingut 1996 als die "Nr. 1 im Rheingau".
·Im Wine Spectator erreicht der Betrieb mit 93 von 100 Punkten die höchste Durchschnittsbewertung aller deutschen Weingüter.
·Alles über Wein ehrt das Weingut 1997 als bestes Rheingauer Weingut und Wilhelm Weil als "Winzer des Jahres".
·Auch Gault Millau WeinGuide betitelt Robert Weil als "Winzer des Jahres 1997"
·Im WeinWisser 10/99 erhält das Weingut gleich für 4 Weine die Maximalbewertung von 20 Punkten.

Preisrekord
Bei einer Raritäten-Weinversteigerung des VDP-Rheingau in Zusammenarbeit mit Christie's London am 13. November 1999 im Schloss Johannisberg erzielt eine 1921er Kiedricher Berg Auslese des Weingutes Robert Weil unter der Leitung von Michael Broadbent den höchsten Flaschenpreis weltweit für einen Wein des 20. Jahrhunderts.

Die 0,75 Liter Flasche wurde für 20.000 DM versteigert.

Mario Scheuermann beschreibt diesen Wein 1994 folgendermaßen: " Brillantes Goldgelb. Nase verhalten, ein feiner süsslicher Blütenduft, dazu eine allererste, sehr zarte und harmonische Firne. Enormes Säurespiel, delikate Süsse. Perfekt gereift, von höchster Eleganz mit langem Abgang."

Armin Diel 1993 zu diesem Wein: "Intensives Grüngelb, geradezu hitziges Bukett, im Mund erstaunlich frisch, fast filigran im Abklang."

Winety: Herr Weil, wo haben Sie die wichtigsten Erfahrungen für die Leitung eines Spitzenweingutes gemacht und welche waren es?

Weil: Nach einer soliden Winzerausbildung und einer Reihe von Praktika habe ich in Geisenheim Oenologie und in Ergänzung Betriebswirtschaft studiert. Für mich stand allerdings schon in jungem Alter fest, den Beruf des Winzers zu ergreifen.
Es war Liebe zur Sache von Kindesbeinen an. Unmittelbar nach dem Studium bekam ich durch den frühen Tod meines Vaters die berufliche Chance, als junger Mann zusammen mit einem internationalen Großkonzern, nämlich Suntory Limited, ein Spitzenweingut aufbauen zu können. Dies war Schicksal und Horizonterweiterung in einem. Man kann also sagen, wie so oft im Leben haben sich Berufs- und Lebenserfahrung ideal ergänzt.

Winety: Unlängst wurde stark in neue Rebflächen für das Weingut Robert Weil investiert. Sehen Sie Probleme beim Erhalt der Basisqualität?

Weil: Es ist richtig, dass wir die Rebflächen des Weingutes in den letzten zehn Jahren stark erweitert haben, genau von 36 Hektar auf aktuell 65 Hektar. Diese Erweiterung war auf Spitzenlagen beschränkt. So wurde zum Beispiel im Gräfenberg die Fläche fast verdreifacht. Somit sind wir heute nahezu Alleineigentümer in diesem Spitzenweinberg.

Mit 65 Hektar haben wir nahezu die veranschlagte Zielgröße erreicht, die wir mit 70 Hektar ansetzen. Die Qualität eines Weines ist immer auf die Weinbergslage zurückzuführen, in dem seine Trauben gewachsen sind. Von daher ist es ganz selbstverständlich unser Anliegen, nur in besten Lagen Weinberge für das Weingut Robert Weil hinzuzugewinnen. Andererseits gibt uns gerade eine ausreichend große Rebfläche die Voraussetzungen für kompromisslose Selektion, für eine späte und lange Ernte und für eine entsprechende Risikopolitik, um die Qualität der Weine weiter steigern zu können.

Natürlich ist diese Rebflächenerweiterung nicht reiner Selbstzweck, sie ist Teil der Betriebsphilosophie. Selten waren die Zeiten für deutschen Spitzen-Riesling weltweit so günstig wie heute. Damit gilt es diesen Mainstream des Weinmarktes zu nutzen und deutsche Spitzenweingüter wieder in den Kanon internationaler, gefeierter Weingüter einzureihen. Um aber auf internationaler Bühne auftreten zu können, braucht man eine Mindestgröße in besten Weinbergslagen, um bei absoluter Qualitätsausrichtung eine für die zentralen Märkte distribuierbare Flaschenanzahl produzieren zu können.

Neben dieser Rolle als Globalplayer sind wir andererseits auch sicher, mit einer Betriebsgröße von 70 Hektar den familiären Charakter unseres Weingutes, der uns sehr wichtig ist, fortführen zu können.

Winety: Auch in Ihren Weinkeller wurde investiert. Was wurde in Hisicht auf die Erzeugung von Spitzen-Rieslingen verbessert?

Weil: Die Verbindung von Tradition und Moderne ist Leitgedanke unserer Kellertechnik. Unter diesem Gesichtspunkt wurde in unseren Kellern nichts unmittelbar modernisiert. Im Grundsatz gilt die gleiche Philosophie wie vor einhundert Jahren. So versuchte man damals zum Beispiel möglichst spät mit der Lese zu beginnen, um bei geöffneten Kellertüren die Kälte des Spätherbstes und des Winters für eine gezügelte Gärung zu nutzen. Diese benötigte Kälte können wir heute in unseren computergesteuerten Edelstahltanks erzeugen. Damit ist das Ziel der gezügelten Vergärung gleich geblieben, es ist nur unabhängig von der äußeren Temperatur erreichbar.

Unsere gesamte Kellerwirtschaft ist auf Produktschonung ausgelegt. Basis ist eine Top- Traubenqualität aus dem Weinberg, die unter "kontrolliertem Nichtstun" im Keller ihre schonende und reduktive Weiterverarbeitung erfährt: schonende Pressung, natürliche Sedimentation, gezielte Vergärung über viele Wochen im temperaturkontrollierten Edelstahltank mit Erhalt natürlicher Restsüße, langer Feinhefekontakt im Ausbau.

Unter dem Fokus auf eine Topqualität des Lesegutes, zeigen unsere Riesling-Weine, die ganz überwiegend auf mittel- bis tiefgründigen Schieferböden mit Lösslehmbeimengungen wachsen, ihr Potential am besten, wenn sie diesen Ausbau erfahren. Immer gilt die Maxime einer Rückbesinnung auf Tradition unter bewusster Nutzung ergänzender Technik.

Winety: Welche Auswirkung auf die Vertriebs- und Wettbewerbssituation können sie sich durch die Verbreitung des Internet vorstellen? Wird sich nach Ihrer Meinung der Direktvertrieb verstärken?

Weil: Auch das Internet hat, wie alles auf der Welt, seine Vor- und Nachteile. Ein großer Vorteil liegt darin, dass Informationen sehr rasch in den Markt getragen werden können. Hierbei ist natürlich die seriöse Informationspolitik des Anbieters äußerst wichtig, gerade bei einem Medium, das ja sehr freizügig zugänglich ist. Verantwortung liegt auch beim Nutzer, der die angebotene Information entsprechend kritisch nutzen muss. Ist das alles gewährleistet, so bietet das Internet für Winzer und Weininteressierte große Vorteile, die ich nicht missen möchte.

Sicher wird das Internet den Direktvertrieb verstärken, auch wenn das Thema Wein im Einkauf für viele Kunden ein sehr persönliches bleiben wird. Weingut Robert Weil nutzt das Internet nur als Informationsmedium über das Weingut. Die Situation des "Überverkauftseins" unserer Weine würde sich mit einer Nutzung des Internets im Vertrieb nur verschärfen.
Winety: Nur zwei Prozent der Ertragsrebfläche des Weingutes Robert Weil ist mit Spätburgunder bestockt. Ist das Ihr persönliches Vergnügen?

Weil: Es ist zweifelsfrei ein persönliches Vergnügen, ein Hobby, allerdings mit hohem Anspruch. 1975 wurden in einem Teilstück unserer Weinberge, das weniger für den Riesling geeignet war, Pinot noir-Reben gepflanzt.
Der Riesling wurde dort zu voluminös und entsprach nicht dem Profil unserer Riesling-Weine. Der Stil unserer Rieslinge wurde sicher einmal sehr zutreffend mit dem Bild der "Mosel-Rieslinge aus dem Rheingau" umschrieben. Gemeint ist damit, dass die Rieslinge auf den Böden des Kiedricher Berges eine sehr feinfruchtige, elegante Art entwickeln, andererseits aber auch den Rheingau-typischen Körper des Rieslings zeigen.

Doch zurück zum Spätburgunder. Wir erzeugen heute einen anspruchsvollen Pinot noir aus einem Ertrag von 35 hl/ha, den wir nach internationalen Maßstäben vinifizieren und im Barrique ausbauen. Ich bin, gerade auch im privaten Konsum, ein Rotweinfanatiker und weiß natürlich von daher auch um die Grenzen des Rotweins im Rheingau. Der Rheingau ist und bleibt Riesling-Territorium, auch wenn heute etwa 12 Winzer im Rheingau hervorragenden Spätburgunder mit internationaler Anerkennung erzeugen.

Winety: Welche ausländischen Weine schätzen Sie besonders und weswegen?

Weil: In meinem Weingeschmack bin ich ein Traditionalist. Ich schätze die großen Weine aus aller Welt, doch geht mein Fokus sehr stark auf das klassische Quartett. Und das ist Bordeaux rot, Burgund weiß und rot und der Riesling von Mosel, Rhein und deren Nebenflüssen. Letztlich leiten sich von diesen Weintypen alle Weine auf höchstem Niveau ab.

Winety: Gibt es Vorzüge anderer Weinbauländer, die Sie sich für Deutschland wünschen würden?

Weil: Ich sehe bestimmte Vorzüge in den Weinbauregionen der südlichen Hemisphäre vor allem im Naturell der Menschen. Dort wird bei gleicher Qualitätsausrichtung vieles unkomplizierter gehandhabt. So kann es sowohl ein respektables Unternehmensziel sein, einen Tischwein zu produzieren, wie einen Spitzenwein. Beide Weintypen werden aber mit gleicher Verve und gleichem Selbstbewusstsein propagiert und dargestellt, ohne die beiden verschiedenen Wein- "Welten" zu vermischen.

Deutlich möchte ich aber auch betonen, dass ich als Riesling-Winzer mit unserem immer noch "cool climate" äußerst zufrieden bin, garantiert es uns doch mit seinen ausgeglichenen Bedingungen eine langsame Reifung der Trauben bei langer Hängezeit und bester Aromaausbildung - also: südliche Wärme im Herzen und das balancierte Spiel des Rieslings von Säure und natürlicher Restsüße im Glase.

Winety: Was sind Ihre nächsten Ziele, Herr Weil?

Weil:
Vorhin habe ich das "klassische Quartett" erwähnt. Daraus ergibt sich das Ziel, für das ich zur Zeit mit allem Einsatz arbeite: die Position des Rieslings in diesem Quartett wieder zu sichern.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Riesling diese Position deutlichst eingenommen. Heute erleben wir die Renaissance dieses Images. Für deren Festigung und Stärkung müssen wir in den Weltmärkten arbeiten. Dies ist die vornehmliche, aktuelle Aufgabe für uns als Spitzenweingüter. Deren Funktion als Leitschiffe hat Auswirkungen auf alle Weingüter. Die Leitschiffe erzielen mit ihrer Arbeit einen Nutzen für den gesamten Berufsstand. Oder lassen Sie es mich nochmals mit dem Bild des Schiffes umschreiben: Das Schiff nimmt nur im Zusammenwirken von Kapitän, erstem Offizier, Maschinist und gesamter Besatzung Fahrt auf. In ihrer unterschiedlichen Funktion sind alle zusammen absolut notwendig, denn keiner erreicht den Zielhafen alleine.
Einige Fakten zum Betrieb
Rebfläche: 65 Hektar
Jahresproduktion: 440.000 Flaschen
Spitzenlagen: Kiedricher Gräfenberg, und Wasseros
Boden: Steinig-grusige Böden aus Phylliten, z. T. mit
Lösslehm-Beimengungen
Rebsorten: 98 % Riesling, 2% Spätburgunder
Durchschnittsertrag: 51 Hektoliter pro Hektar
Beste letzte Jahrgänge: 1992, 1996, 1999
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